Magersucht und Ess-Brechsucht

Magersucht (Anorexie nervosa)

Familiensystemisch sehen wir bei Magersucht fast immer einen Sog in den Tod. Sie zieht den meist jugendlichen Menschen, überwiegend Frauen, stellvertretend für einen Angehörigen in das Reich der Toten. Das Kind übernimmt die Bewegung für den Erwachsenen. Der Satz, der diese Bewegung am besten ausdrückt, lautet: „Lieber sterbe ich als Du“.

In dieser Funktion stabilisiert das kranke Kind die Familie und bewegt sich anstelle des Erwachsenen, der in systemischer Starre verharrt. Der betroffene Erwachsene kann seinen Schmerz nicht selbst spüren und die Familie wird über die Aufgabe ‚gemeinsam retten wir das kranke Kind‘ zusammengehalten.

Analog zu anderen Krankheitsaufstellungen für junge Menschen ist es auch hier so, dass die ursächliche Person, etwa ein Elternteil, das eigentlich bei ihr entsprossene Problem nicht wahrnehmen kann. Sie spürt keinen Leidensdruck und kommt gar nicht auf die Idee, das Problem bei sich selbst zu suchen. Nach diesem Muster wird die Dynamik über Generationen weitergegeben. Sehr oft finden wir bei Kindern mit schweren Krankheiten wie z. B. Krebs oder Diabetes die Ursache bei den Eltern oder Großeltern. Das Kind übernimmt die Schuld oder die Gefühle, die in der ursächlichen Generation keine Erlösung finden können.

Bei der Krankheitsaufstellung von Magersucht muss das Kind nicht anwesend sein. Im Idealfall sind beide Elternteile präsent, mit der Bereitschaft, bei sich selbst genauer hinsehen zu wollen. Das ist oft nicht einfach, denn der eigentliche Grund für die Magersucht des Kindes wird von der ursächlichen Person meist schon ein Leben lang ausgeblendet. Um der tatsächlichen Ursache auf den Grund gehen zu können, ist es wichtig, dass die Eltern bereit sind, sich alles anzusehen was da ist. Erschwerend kann auch das Gefühl von Schuld mitschwingen. Es ist für Eltern schwer, ihr Schicksal anzunehmen, ’schuld‘ an der Krankheit oder gar am Tod des eigenen Kindes zu sein. Wenn jedoch geklärt ist, dass es in diesem Kontext keine Schuld gibt, da am auslösenden Ereignis ebenfalls keiner Schuld hat, wird ein Auflösen der Verschiebung auf das Kind möglich. Trägt der Betroffene jetzt sein Thema selbst, ist das Kind systemisch befreit.

Aufstellungsarbeit bei Magersucht ist sehr hilfreich, weil es die unbewusst wirkenden Kräfte sichtbar macht und auflösen kann.

Durch weitere, alternative Methoden, siehe auch Bewusstheitscoaching und Netzwerk, kann weiterer Zugang zur eigentlichen Ursache möglich werden und die Heilung an der Quelle erfolgen.

Ess-Brechsucht (Bulimie)

Die Dynamik der Ess-Brechsucht kann der Dynamik der Magersucht sehr ähneln. Erfahrungsgemäß kommt häufig ein verborgener Konflikt der Eltern als weitere Ursache hinzu. Das Kind einer Mutter, die den Vater verachtet, nimmt beispielsweise die Nahrung von der Mutter erst an, spuckt diese dann jedoch aus Loyalität zum Vater wieder aus. Vereinfacht formuliert spuckt das Kind die Beziehung seiner Eltern vor deren Füße.

Oben beschriebene Dynamiken sind die Essenz aus vielen Aufstellungen, sind jedoch nicht pauschal gültig. Jeder Fall bedarf genauen Hinsehens und seiner ganz eigenen Lösung.

Bei Anorexie nervosa sowie bei Bulimie handelt es sich um ernstzunehmende Krankheiten. Sie sollten auf jeden Fall von entsprechenden Experten behandelt werden. Doch kann über eine Familienaufstellung der entscheidende Lösungsimpuls gegeben werden. Alternative Wege wie das Bewusstheitscoaching können zur Auf- und Erlösung führen.